
Wecker um 5:55h - warum tut man sich sowas im Urlaub an?
Übermorgen werde ich mich für den Abflug um 10h auch wieder so früh aus dem Bett quälen dürfen - heute wollte ich den 7:30-Bus zurück nach Victoria auf Vancouver Island bekommen.
CAN$80 für 2x4h Fahrt (hin+zurück), davon die jeweils 90 Minuten Fähre inklusive, das finde ich fair.
Es war auch mal interessant, das unterste Fahrzeugdeck mit den Bussen zu sehen, denn auch zahlreiche Road Trains und sonstige Lastkraftwagen befördern da offenbar stündlich reichlich Güter zwischen dem Festland und Vancouver Island.
Hab ich es schon erwähnt? In Kanada gibts Road Trains. Nicht so lang wie die in den australischen Outbacks, aber doch deutlich schwerer als das, was sich auf Deutschlands Autobahnen regelmässig Elefantenrennen liefert. Bis zu 10 Achsen, 9 davon mit Zwillingsreifen (1 Lenkachse), habe ich hier schon gesehen. Was so ein Zug wohl auf die Waage bringen mag? Außerdem sehen diese amerikanischen "Peterbilt" Zugmaschinen viel cooler und mächtiger aus als die langweiligen europäischen Backsteine.
Pünktlich zur Mittagszeit angekommen ging es doch nicht zum Japaner Sushi essen sondern zum Koreaner - ich bin halt genetisch vorbelastet. Dort habe ich eine Monsterportion 짬뽕 (würde das grob als Meeresfrüchte- und Gemüsesuppe mit Nudeln beschreiben) serviert bekommen, mit einer mir bis dahin unbekannten Beilage: 오뎅, so eine Art Käse aus Fischmehl?! Ich fands lecker

Anschliessend ging es zum Canadian Immigration & Refugee Council in der Bay Street, wo ich einige Informationen und Kontakte für eine mögliche Einwanderung erhalten habe.
Zuvor hatte ich in der lokalen Niederlassung und Hauptquartier von Kanada-West meiner Firma CGI einen Termin mit einem Chef für Personalangelegenheiten (genau der, an den ich gestern von der Kollegin in Vancouver verwiesen wurde) für 14h erhalten und im zufällig im Erdgeschoss des gleichen Bürogebäudes untergebrachten Jobcenters u.a. den Hinweis auf dieses ein halbend Dutzend Straßenblock entfernte Council erhalten.
Insgesamt satte zwei Stunden nahm sich mein Kollege für mich Zeit, führte mich durch die Räume und stellte mich weiteren Kollegen vor. Außerdem gab es eine Menge Informationen zur Arbeitsmarkt- und Projektlage, zu Vancouver, viel Werbung für Victoria, und zur kanadischen Work&Life-Mentalität, welche sich an Ost und Westküste deutlich voneinander unterscheiden soll: obwohl gerade der Osten des Landes französisch geprägt ist, scheint sich die französische Mentalität eher im Westen breitgemacht zu haben. Der Hinweis auf 30 Tage Urlaub in Deutschland erheiterte meinen Kollegen - um nicht zu sagen das ganze Büro - jedenfalls auffällig. In Kanada gibts in aller Regel die Hälfte, und nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit 5 Tage oben drauf. Vielleicht bewerben sich ja bald ein paar kanadische Kollegen bei uns - Kontinental-Franzosen würden bei einer Beschneidung des Urlaubsanspruchs auf kanadisches Maß jedenfalls Autos anzünden, darin waren wir uns einig.
Der Tag war in jedem Fall alles andere als vergeudete Zeit, aufschlussreich und interessant.
Abschliessend habe ich mich am Hafenbecken gesonnt und Postkarten geschrieben, und nun bin ich auch schon wieder auf dem Festland in der Anfahrt auf Vancouver.
Wenn sich das seit gestern abend wieder perfekte Sommerwetter wie angekündigt bis mindestens morgen hält, werde ich zum Abschluss an meinem letzten Urlaubstag den Stanley-Park und die English Bay ablaufen und nochmal shoppen/bummeln, sowie das restliche Bargeld in Sushi stecken.
Koffer packen und mental auf den Abschied vorbereiten, das ist nur mit leckerem Essen zu ertragen.
Article image shot
here.