
Die ersten beiden Nächte bin ich im Sandman Airport Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens untergebracht. Der Highway nebenan startet auch schon direkt mit dem Ortsschild. Rund eine halbe Stunde dauert es bei halbwegs anständigem Verkehr, bis man die Vororte hinter sich gelassen hat und in der eigentlichen Innenstadt angekommen ist. Der Weg dorthin erinnert ein wenig an die Young-Street Torontos: kilometerlang - rund 60 Straßenblocks - zieht sich die Einkaufsstraße durch die flächigen Wohngebiete. Nur die ganzen Appartement-Wolkenkratzer fehlen.
Innenstadt. Im Vergleich zu den letzten drei Wochen, also allen Stationen nach Toronto, fast ein Schock: ich bin zurück in der Zivilisation. Mit Erreichen der Granville Bridge wird man sofort von der Kulisse der Stadt erschlagen. Eine eindrucksvolle Skyline wartet auch hier auf den Besucher. Hier sind die Straßen wieder ebenso eng und belebt, Menschenmassen wabern in jedem Block, und am späten Nachmittag werfen die auch hier zahlreich vorhandenen Wolkenkratzer lange Schatten in die Straßenschluchten.
Die Bankentower sind auf den unteren Etagen -wie in Toronto und Calgary- mit reichlich Gastronomiebetrieben aller Nationalitäten und unzähligen Geschäften bestückt. Pacific Center und das angrenzende örtliche SEARS kochen jede Kreditkarte weich, wenn man diesen Konsumtempeln verfällt.
Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehört die Robson Street, die früher in der Hand deutscher Einwanderer war und damals auch Robson Straße hiess - vereinzelt sind noch Beschriftungen, die an den historischen Namen erinnern, sichtbar.
Heute scheinen sich zumindest auf den ersten 8 Blocks Japaner und Koreaner breitgemacht zu haben, denn es wimmelt nur so von deren Shops und Restaurants.
Diese Gelegenheit musste ich nutzen, für ein Mittagessen 떡국 - eine leichte koreanische Rinderbrühe mit etwas Suppenfleischeinlage, Gemüse und .. naja .. 떡 halt, so Pressreisdinger (국=Suppe). Lang nicht mehr gegessen. Dabei kam ich spontan ins Gespräch mit einer koreanischen Studentin und ihrer chinesischen Freundin, am Tisch nebenan. Wieder einige Sachen über die Stadt gelernt, über die Beschreibungen aus den Touri-Guides hinaus .. und unaufgefordert zwei email-Adressen und Handynummern erhalten. Na, wenn das in Deutschland auch immer so einfach wär ...

Ungefähr ab der Thurlow Street werden die Gebäude höher und die Geschäfte teurer, bis es dann fliessend in Wolkenkratzer, sowohl Büro- wie auch Wohntürme, übergeht. Da bin ich noch eine Weile durch die Gegend gedackelt, um dann mein Auto aus dem Parkhaus freizukaufen: der Parkwächter knöpfte mir CAN$14 ab, und plauderte anschliessend ein paar Minütchen mit mir. Warum hält mich bloss fast jeder und überall, mindestens aber in Kanada und Neuseeland, für etwas spanisch-mexikanisches?
Mit dieser Frage im Kopf ging es gen Norden, zu einem weiteren touristischen Highlight der Stadt, dem Grose Mountain. Dabei fährt man durch den Stanley-Park, einer weiteren Attraktion der Stadt. Dieser grenzt an den Start der Robson Street und ist, wie ich später am Abend erfahre, einer der größten Stadtparks der Welt, und -wenn ich das richtig in Erinnerung habe- mit 400 acres (sind das Hektar oder doch wieder nur so ein weiteres imperiales Maßärgernis?) größer als der weitaus bekanntere Central Park in Manhatten, New York.
Den Park selbst habe ich mir allerdings für den letzten Tag meines Urlaubs auf den Plan gesetzt.
Auf dem Weg zum Grouse Mountain kommt man an der Suspension Bridge vorbei. Aus Zeitgründen habe ich das erstmal ausgelassen, und wie mir andere Besucher später erzählen, ist der Eintrittpreis zum Überqueren dieser Hängebrücke und Betrachten der uralten, gewaltigen Cedars auch .. grenzwertig.
Grenzwertig finde ich auch den Preis für den return-trip (also hin und zurück) auf den Grose Mountain, mit der Gondel die übrigens in der Schweiz gebaut wurde, wie eine Metallplakette verrät: satte CAN$40, dazu die CAN$3 für den Parkplatz - Vancouver wird hier seinem Ruf, der teuerste Platz Kanadas Westens zu sein, mehr als gerecht. Aber man ist ja im Urlaub, und möglicherweise nie wieder hier, also zahlt man zähneknirschend trotzdem.
Auf dem Gipfel in gut 1100m Höhe konnte ich dann einen guten, wenn auch nicht perfekten Blick auf die Stadt erhalten. Von den Aussichtsbalkons aus stören einige Bäume und die Gondel den Blick ins Tal, und auf dem obligatorischen Gipfelrestaurant befindet sich anders als in Banff keine Aussichtsplattform mehr. Vereinzelte dicke Schneehügel und die außer Betrieb befindliche Gondel deuten auf Wintersportaktivitäten hin. Im Grizzly-Habitat spielten zwei Bären und entschädigten am späten Abend zusammen mit der weiten Aussicht den etwas getrübten Ausblick von zwei Stunden zuvor: nachts ist das Lichtermeer jeder Stadt irgendwie schön, und dann stören Bäume im Blick auch kaum noch.
Falls ich nochmal hierher zurückkehren sollte, werde ich die CAN$40 sparen und den Berg hochlaufen. Eine ganze Truppe schnaufender und schwitzender Jogger lief den ganzen Abend über in der Bergstation ein und wies mich so auf die Existenz eines Kletterpfads hin. Highscores am Monitor einer Ziel-Stelle weisen Laufzeiten von unter 45 Minuten bis 1:30h in der Kategorie "weiblich, 70-79 Jahre" mit immerhin noch einer Teilnehmerin aus - Respekt!
Auf dem Weg zurück ins Hotel habe ich mich dann nochmal kräftig verfahren, aber dabei die ganzen Wohntürmchen gefunden, die ich heute früh auf der Fahrt in die Innenstadt vermisst habe: der nächste Ort südlich von Vancouver und des Flughafens, Richmond, scheint mir ein einziges großes Wohngebiet zu sein. Nunja, irgendwo müssen die ganzen Menschen herkommen, welche den recht kompakten Stadtkern Vancouvers mit 45000 Menschen pro Quadratkilometer zum nach Manhatten-Island dichtbevölkersten Fleckchen der Erde machen sollen.
Mobile Blogging from
here.