
Abfahrt Campbell River. Schon wieder Bilderbuchwetter, die Sonne brannte von einem wolkenlosen Himmel und der kühle Pazifikwind sorgte für angenehme Linderung.
Die direkt am Ufer entlanglaufende "Oceanic Route" bietet auf den ersten 15 Kilometern nach Süden wunderschöne Anblicke, die mit tollem Gitarrenrock aus dem lokalen FM-Radio um ein Haar dafür sorgte, daß ich in einer Bucht gelandet wäre.
Weiter ging es im Landesinneren, auf dem recht neuen Highway 19 - der erste den ich mit Tempo 110 statt 100 befahren durfte.
Dermaßen in einen Geschwindigkeitsrausch versetzt war mehr als genug Zeit um drei Highlights des heutigen Streckenabschnitts zu besuchen:
Coombs ist ein kleines Dörfchen, bei dem das winzige Plastikschloss direkt an der Hauptstraße sofort Aufmerksamkeit erregt. Den zahlreichen Antiquitäten-Geschäften oder auch dem großen Schmetterlings-Haus dürfte der große Ansturm zur Hochsaison allerdings noch bevorstehen.
Chemainus hat 33 der Gebäude im Dorf mit großflächigen und attraktiven Wandgemälden dekorieren lassen, mit Motiven aus der Geschichte der Region. Die dadurch erfolgreich angelockten Touristen sollten sich auch einen Besuch im winzigen, aber mit unzähligen, liebevoll arrangierten Exponaten aus den letzten 100 Jahren nicht entgehen lassen - ich fühlte mich überaus erfolgreich in die 50/60er-Retro-Stimmung zurückversetzt, die auch die Fallout-Computerspiele schaffen.
Was Chermainus mit Bildern gemacht hat, das erfolgte in Duncan mit Totempfählen: an vielen Kreuzungen der Innenstadt stehen eine oder mehrere, von Künstlern der Region geschaffene Exemplare und locken Touristen an. Heute fand vermutlich anlässlich meiner Durchreise

direkt in der Stadtmitte am malerischen, historischen Bahnhof ein Festival mit irischer und indianischer Musik und Tänzen im Wechsel statt - bei perfektem Sommerwetter schien die ganze Stadt samt Umgebung hier versammelt.
Ich hielt mich nicht sehr lange dort auf, denn ich freute mich auf das Ziel meiner heutigen Etappe.
Sarah, die ich auf der Überfahrt von Prince Rupert nach Port Hardy kennengelernt habe, hat mir ihre Stadt, Hauptstadt der Province British Columbia, über den Klee gelobt.
Nach der Ankunft zum frühen Nachmittag bin ich sofort von meinem etwas ausserhalb gelegenen Hotel an den langen Buchten entlang ins Downtown gestapft. Bei perfektem Wetter war für kanadische Verhältnisse die Hölle los. Kein Geschubse oder Gedrängel, aber doch Menschenmassen an allen Ufern, und an den beiden auffälligsten Gebäuden der Staft: das Empress Hotel und das Parlamentsgebäude luden zu Fotos und bei dem immer noch perfekten Wetter Sonnenbädern auf den üppigen Grünflächen ein.
Die kostenlose Führung durch das Parlamentsgebäude war kurz und knackig: man erfährt dort einiges über die Geschichte der Stadt, garniert mit lustigen aber auch traurigen Anekdoten, und darf einmal live in den Parlamentssaal blicken, den man sonst nur vom hiesigen Parlaments-TV miterlebt.
An zahlreichen, beneidenswert schön gelegenen Wohntürmchen mit Blick auf die ewig lange Bucht vorbei (wo vermutlich kaum ein Appartement unter einer Million Dollar zu haben sein dürfte), bin ich zum Hochseehafen gelangt. Dort lagen drei riesige Kreuzfahrtschiffe aus Mexiko, Norwegen und ..weissnichtmehr.. vor Anker. Ein Spaziergang auf den recht langen Wellenbrecher-Pier "Breakwater" rundete den frühen Abend für mich ab. Nach einer halben Stunde am Leuchtturm am Ende dieses langen Piers habe ich spontan Sarah besucht, die in einem kleinen aber gut gelegenen Appartement direkt am Hafen wohnt.
Dort bestellten wir Pizza, und es wurde die beste Ausfahr-Pizza die ich je gegessen habe. Danach ging es noch auf einen abendlichen Bummel durch die Stadt, wobei ich die Gelegenheit zum Schiessen einiger der von mir so geliebten Nachtfotos hatte.
In den Metal-Tanzschuppen "Evolution" habe ich Sarah und ihre zwischenzeitlich hinzugestossene beste Freundin aber nicht mehr begleitet - seit 6h auf den Beinen war ich auch so froh, um halb zwei morgens ins KingSize-Bett meines EuroStar-Conference Hotels zu fallen.
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