
Von Port Hardy ging es am frühen Morgen ohne weiteren Aufenthalt in der Hafenstadt direkt ab richtung Süden.
Eine beliebte Zwischenstation auf dem Weg dorthin ist u.a. Telegraph Cove, wo ich mich über die recht entlegene und einsame Strecke, die vom Highway zu dieser Bucht abzweigt, auch begeben habe.
Das Angebot dort umfasst Kanufahrten, Grizzly-Bären beobachten, und das besonders beliebte Whalewatching. Leider wird um diese Jahreszeit noch nichts angeboten, erst Mitte Juni startet die Saison. Daher beließ ich es bei ein paar Fotos der zum Teil auf Holzpfählen ins Wasser gebauten Siedlung - und von der überall an den Küsten operierenden Holzfällerindustrie, die mit schweren, speziellen Lastwagen die Baumstämme tief aus dem Wald herantransportiert, wie auch mit Güterzügen. Die Luft riecht im Bereich der Buchten, wo die Stämme bereit zur Verladung im Wasser treiben, schwer nach Holz; ein Eindruck, den man auf Fotos leider nur indirekt subjektiv sichern kann.
Auf dem sich etwas ziehenden, weil durch tiefe Wälder führenden Highway waren die Radio-Nachrichten nicht uninteressant:
das staatliche "wellfare program" und die "income assistance" glänzt mit Zuwachsraten um 50% gegenüber dem Vorjahresmonat.
Single-Haushalte werden dabei mit 600 kanadischen Dollar unterstützt, mit 1000 bis 1200 Dollar können Familien mit ein bzw. zwei Kindern rechnen (kA ob davon auch die Unterkunft bezahlt werden muss). Im Telefoninterview beklagte dabei eine Betroffene, wie knapp dieses Budget zum Leben bzw. Überleben bemessen sei, und daß hier mindestens inflationsgerechte Anpassungen lange überfällig wären.
So wie es ausschaut kann sich auch Kanada nicht den Auswirkungen der Finanzkrise entziehen (dazu passen auch die regelmässigen Meldungen über größere layoffs, also Entlassungswellen quer durch alle Bereiche der Märkte), und auch hierzulande leben Sozialhilfeempfänger mehr oder weniger hart am Limit.
Noch ein paar Worte zum Ziel: Campbell River. Ein wunderschönes, knuffiges kleines, am Ufer langgezogenes Städtchen, mit der Quadra Island und deren schneebetupften Gipfeln im Blick. Es gibt einen Fährhafen sowie einen größeren Yachthafen. Die Innenstadt drängt sich um den Tyee-Plaza, ein großer Parkplatz, mit Visitor-Center und Shopping Malls drumherum.
Bei erneutem Bilderbuchwetter war es herrlich entspannend, entlang des Ufers, des Parks und des Hafens zu flanieren. In diesem Hafen bieten mindestens zwei Schiffe frischen Fang (Heilbutt, Garnelen) an - Restaurants auf Fischereibooten, das finde ich pfiffig, habe es aber nicht probiert.
Spektakulär war mein Hotel, das Anchor Inn. Beim Einchecken in der Lobby, direkt vom Parkplatz an der Straße erreichbar, befand ich mich in Etage fünf. Mein Zimmer lag im höchsten, siebten Geschoss, das Restaurant in der dritten, der Pool in der vierten Etage. Ein Hotel in einer Klippe, da kam bei mir spontan James-Bond-Feeling auf.
Die Unterkunft war bis jetzt zwar nicht die hochwertigste, aber aufgrund der Lage doch die schönste: vom Balkon aus Blick auf den Pazifik, ein in der Gasse zur Quadra Island passierendes Schiff der US-Küstenwache (huch!) sowie nachts die grellbunt leuchtende, lautlos dahingleitende Silhouette einer großen Fähre oder eines Kreuzfahrtschiffs.
Vom Bett aus Sonnenuntergang und Sonnenaufgang über dem pazifischen Ozean miterleben war auch ganz großes Kino. Sollte jeder Mal gemacht haben

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