
Drei Stunden muss ich diesen Anblick jetzt schon ertragen, mit einer Compilation der "100 besten Gitarrensolos aller Zeiten" im Ohr.
Ich sitze in einem deluxe Liegestuhl in der "Aurora-Lounge" der und schwebe beinahe lautlos über das ruhige Meer dahin. Die erst zweite Fahrt der nagelneuen, in Flensburg gebauten Fähre (und mit in jeder Hinsicht noch nicht eingeübtem Servicepersonal bei Bordcafeteria und -Restaurant

), mit immerhin 8 Decks, bringt mich von Prince Rupert am nordwestlichen Ende Kanadas ein paar Hundert Kilometer südlich nach Port Hardy auf Vancouver Island. Die Vorgängerfähre ist vor einem Jahr gesunken, nachdem sie steuerlos auf eine kleine Insel gelaufen ist - man erzählt sich, der Kapitän sei mit einer Kollegin beschäftigt gewesen. Das wird so schnell wohl nicht mehr passieren, und beim neuen Schiff hat man an nichts gespart.
Die Fähre ist so früh in der Saison kaum ausgelastet (70 Passagiere bei einer Kapazität von 600, und 40 Mann Besatzung), weshalb ich freie Platzwahl auch in der eigentlich nur mit einer speziellen Karte zugänglichen Lounge an der Spitze des Schiffs habe.
Hinter riesigen Panoramascheiben kann man hier die ganzen 15 Stunden lang die wunderschöne Fahrt entlang geniessen, und nebenbei hunderte Fotos schiessen, ohne daß Leute im Weg stehen - auch auf den Topdecks ists bei dieser kläglichen Auslastung menschenleer.
Die Überfahrt erinnert mich an die Fahrt von Wellington (Neuseeland-Nord) nach Picton (Neuseeland-Süd). Über zwei Stunden dauert dort das wunderschöne Finale durch die Biegungen des Ziel-Deltas.
Hier ists ähnlich, nur eben 15h lang.
Übrigens habe ich erst heute um 5h beim Aufstehen gemerkt wie hoch im Norden ich mich befand. Es war schon hell. Der Wurmfortsatz Alaskas ist gleich um die Ecke, und im Hochsommer kann man auch in Prince Rupert die Mitternachtssonne bestaunen. Da das jeder mal erlebt haben soll, muss das nun wohl beizeiten in Skandinavien nachholen.
Die Höhepunkte der Fahrt sind schnell erzählt. Große Poster auch an Bord listen fünf points of interest auf, Hohe Gebirge in einer längeren Engstelle, einen Leuchtturm auf halber Strecke, eine verlassene Holzfäller+Fischerei-Siedlung mit einer Konservenfabrik, welche man zur Zeit zu restaurieren versucht, eine alte Siedlung der 1st nations - so bezeichnet man die kanadischen Indianer.
Alle ganz knuffig - bei diesem Bilderbuchwetter und stundenlangen Cruisen entlang eines tollen Panoramas aber nicht zu auffällig sondern eine Abrundung des ungemein entspannenden und wohl lässigsten Tag meines Urlaubs. Sogar "whalewatching" war inklusive: wir hätten um ein Haar zwei Exemplare dieser majestätischen Tiere überfahren, dabei konnte ich ein schönes Foto schiessen.
Das beste Essen meines Urlaubs soweit gabs im Bordrestaurant. Umgerechnet 30 Euro für ein absolut erstklassiges, vollständiges Buffet, das ich so schnell vergessen. Dazu mein allererstes Budweiser sowie ein Sleeman Honey Brown Lager, ein für kanadische Verhältnisse recht kräftiges Bier, honigfarben und mit Honignote im Abgang - gar nicht übel.
Bei der Ankunft gegen 2200 in Port Hardy werde ich wohl nur schnell versuchen, meine Blog-Posts abzuschicken und schnell schlafen gehen: auf Vancouver Island habe ich noch ein paar Etappen mit einigen Hundert Kilometern richtung Süden abzureissen, bevor ich dann leider auch schon bei der letzten Station meiner Reise sein werde.
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