
Jetzt weiß ich warum es hier in der Gegend "Muskoka" von Seen nur so wimmelt: nachdem ich die erste Woche nur Glück mit dem Wetter hatte und gestern noch bei 24 Grad in der Sonne gebraten habe, waren es heute nur noch frische 7, und es hat fast den ganzen Tag lang geregnet.
Dementsprechend ereignislos war mein Tag. Der idyllische Ort, der sich schon jetzt auf den G8-Gipfel im Jahre 2010 vorbereitet, bietet bei schönem Wetter viele Kilometer Wanderwege entlang der zahllosen Seen. Bei schlechtem Wetter gibt es hier ... nun .. nichts.
Auf dem Weg von Perry Sound bin ich der Empfehlung des Rezeptionisten gefolgt und habe den "Aspen Highway" genommen. Das Schild "warning: 15km bumpy pavement" war nicht untertrieben. Meine erste Strecke in diesem Land, die nicht einfach nur endlos geradeaus läuft, hält aber nicht nur durch Kurven und Hubbel wach, sondern auch durch wunderschöne Szenerien und sehr einsame Häuschen entlang von kleinen Seen, inmitten von Wäldern - da ist sie, die romantische Bilderbuchseite Kanadas. Der Ort Aspen selbst ist dabei nur eine unscheinbare Ansammlung von ein paar Gebäuden, eigentlich nichts was ein eigenes Ortsschild verdient hätte (ich kann mich gerade auch an keines erinnern).
Wenige Kilometer vor Huntsville hat mich der Anblick u.a. einer kleinen Insel mit einem Haus drauf so umgehauen, daß ich spontan gestoppt und einen Anwohner um die Erlaubnis zum Betreten seines Gartens gefragt habe, um direkt vom Wasser aus ein Foto machen zu können (siehe Bild eingangs). Bei dieser Gelegenheit habe ich noch ein paar andere Dinge in Erfahrung bringen können. So sind die winzigen Inselchen mit Häuschen drauf schon seit über hundert Jahren bewohnt und in Privatbesitz. Praktisch alle Leute der Gegend sind Rentner, leben vom Tourismus, arbeiten in einer der drei Fabriken (Zweck ist mir unbekannt; die Arbeiter reisen täglich aus bis zu 80km an), oder halten sich hier einfach nur ein Refugium - einige bekannte Eishockey-Spieler wie auch Geschäftsleute aus Toronto seien darunter.
In der Stadt selbst habe ich dann wetterbedingt nicht mehr viel gemacht, sondern mich stattdessen in meiner Suite eingerichtet: Schreibtisch mit Ledersessel, Liegestuhl, ein KingSize Bed breiter als lang - wow. Schade daß ich nichts zu lesen eingepackt habe.
Beim Zappen durch die 74 Kanäle hatte ich heute etwas mehr Zeit:
- auf CNN berichtete man unter "how pot might help recession" über Überlegungen des US-Pleitestaates Kalifornien, durch Legalisierung weicher Drogen die leeren Staatskassen zu füllen (erhoffte jährliche Einnahmen: 1,3 Milliarden Dollar). Bin gespannt wann sich der erste deutsche Politiker traut, diese Idee und das Erfolgsmodell unserer Wohnmobilfahrenden Nachbarn adaptieren zu wollen. Mit Finanzkrise (und Kinderporno) kann man diese Tage ja alles durchboxen, nachdem die Terrorkeule inzwischen abgestumpft zu sein scheint.
- auf einem anderen Kanal lief die "Layoff-Show", über die auch schon im Spiegel berichtet wurde; ein Prototyp-Blondchen versuchte vor einem bissigen Tribunal zu argumentieren, warum die Kollegin zwei neben ihr statt ihrer selbst gefeuert werden sollte - eine neue Qualität von Unterschichten-TV, absolut unerträglich und widerwärtig, schnell weg...
- sehr interessant fand ich eine Art PhoenixTV mit Aufzeichnungen aus dem britischen House of Commons: die Art der Diskussion, wie Premier Brown dort in einer fussballstadionähnlichen Menge+Stimmung (+Lärm) Fragen Rede und Antwort stand, fand ich geradezu amüsant; so ganz anders als die biedere, geradezu spießige Ruhe und Ordnung im deutschen Bundestag. Ich habe nicht verstanden, nach welchem Prinzip dort das Sprachrecht zugeteilt wurde. Die Abgeordneten versuchen anscheinend, dieses durch Aufstehen zu beantragen, und weil sie damit nie alleine sind, und sich stets schnell wieder hinsetzen, sieht das ganze sehr lustig aus. Die anschließende Übertragung aus dem kanadischen Senat war dann wieder ganz spröde ...
- Eishockey, Kanadas Nationalsport. Die erste Minute hielt ich das Spiel für das einer Schülermannschaft: langsamer, irgendwie weniger agressiv. Es stellte sich als das Finale des NAHC Women Championship 2009 heraus - bei den Damen sind anscheinend keine Bodychecks erlaubt, und zumindest das letzte Drittel, was ich mitverfolgt habe, kam ohne Prügeleien aus. Den Titel gewonnen hat übrigens Manitoba mit 5:3 gegen Ontario South.
Jetzt schaue ich noch den Rest vom ersten Jolie-Tomb-Raider und freue mich auf morgen: durch einen Nationalpark gehts nach Ottawa.
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