Den anderen Platzhirsch darf ich nicht unterschlagen: Blackberry. Smartphones mit Tastaturen und gänzlich proprietärer Technologie waren und sind mir allerdings schon immer zuwieder, dazu auch noch die gewohnt idiotischen Tarife der Mobilfunkanbieter ... - RIM ist für mich wie Skype: sie waren die ersten auf dem Markt, deren Produkt einfach funktioniert und das zuverlässig macht, was es tun soll. Mehr aber auch nicht, und mögen muss ich es dann auch nicht.
PIM
Zurück zu PIM für den privaten Endanwender. Das bedeutet heute: entweder zahle ich Geld und miete einen Exchange-Account an, und nutze die Windows-Mobile-Produktschiene, oder aber ich zahle Geld und nutze einen Blackberry. Beides ist nicht ganz billig - mangels Alternativen und je nach Bedarf kann es dennoch preiswert d.h. seinen Preis wert sein.
Möglichkeit 3: ich nutze kostenfreie Dienste diverser Anbieter, wie z.B. Google Apps, Scheduleworld, mobical, etc. Die meisten Nutzer gehen zur Zeit diesen Weg. Die meisten Nutzer haben allerdings auch nichts zu verbergen und sind absolut schmerzfrei dabei, die privatesten Daten, die man am Computer überhaupt nutzen kann, in fremde Hände zu geben: wer Mails, Kontakte, Kalender, persönliche Dateien und Fotos an kommerzielle Dienste, oft dazu noch im Ausland, gibt, hat sein Wahlrecht in meinen Augen eigentlich verwirkt.
Möglichkeit 4: selber machen, mit Open Source. Und hier gehen die Kopfschmerzen los. Als Standard für Synchronisierung von PIM-Daten hat sich der SyncML-Standard etabliert. Die Komplexität dieses Standards hat allerdings dazu geführt, daß es bis heute nur eine Handvoll Implementierungen von Servern und Clients gibt - und die meisten davon sind kommerziell und nicht frei verfügbar - verständlich, denn hier lässt sich noch echtes Geld verdienen.
Funambol SyncML
Serverseitig kommt man an Funambol (ehemals Sync4J) nicht vorbei, wenn man selbst einen Server aufsetzen möchte. Nach Jahren der Reife läuft die aktuelle Funambol Version 6.5GA dann auch schon recht sauber - zumindest solange man sich auf die Synchronisation verschiedener Outlook-Installationen beschränkt. Doch eine Synchronisation muss mehr leisten als das.
Mein Setup:
- Outlook auf Desktop-PC (WindowsXP)
- Outlook auf Arbeits-Notebook (WindowsXP)
- Evolution auf Desktop-PC (Ubuntu)
- Evolution auf Notebook (Ubuntu)
- iPhone
Sobald man die Outlook-Alternative Evolution mit syncevolution (nettes Gimmick: Genesis) so weit konfiguriert hat, daß sie nicht direkt nach dem Start core dumps um sich wirft, geht meinen schmerzhaften Erfahrungen der letzten Abende nach alles in die Hose: Kontakte werden mit jedem Synchronisationsvorgang dupliziert, Wiederkehrende Termine verschwinden ganz und andere verschieben sich ... - die öffentliche Funambol v6 unterstützt nur iCal 1.0, was für einige dieser Probleme sorgt. Der Rest der Probleme ist wohl auf das noch nicht abgeschlossene Entwicklungsstadium zurückzuführen.
Nächstes Level: iPhone mit dem Funambol-syncml4iPhone-Plugin, ein syncevolution-Port (siehe auch Stefano Maffulli: Using Funambol on iPod Touch, iPhone and Ubuntu). Es ist ja ohnehin schon schwierig genug, das iPhone unter Linux einzusetzen (dem widme ich vielleicht beizeiten einen eigenen Artikel) - Sync ist da nicht einfacher. Mit dem Plugin kommen jetzt gelöschte Kontakte wieder, und Memos gehen kaputt.
syncje hat den gleichen Fehler, legt dazu noch haufenweise leere Kontakt-Einträge an, vergisst wiederkehrende Termine einzutragen, dupliziert Memos mit jedem Sync und kann Todos gar nicht - für $40 nicht wirklich überzeugend.
Die im Scheduleworld-Forum genannte dritte Alternative syncml2iphone habe ich mangels 2-way-sync und nur beim Kalender gar nicht erst probiert.
Ich hoffe daß die nächste Syncevolution-Version bessere Ergebnisse bringt.
Evolution-Alternativen
Noch ein paar Worte zu möglichen Alternativen neben Evolution: Spicebird (aktuell v0.4), welches diverse Mozilla-Komponenten sauber integriert und für eine frühe Version schon einen sehr guten Eindruck macht, und meiner Meinung nach das Zeug hat, Evolution als Outlook-Ersatz unter Linux ablösen zu können, hat zur Zeit noch keine Pläne für SyncML-Unterstützung.
Den Donnervogel kann man mittels Lightning-Plugin um einen PIM aufbohren oder mit dem Standalone Sunbird ergänzen, und dann mittels Mozilla Sync4J-Plugin mit einem SyncML-Server synchronisieren. Leider kracht auch das bei mir (Thunderbird v2.0.14, Lightning v0.8, Funambol PIM Plugin v0.4), und damit bin ich nicht alleine.
Zum aktuellen Zustand von Linux und SyncML (und iPhone) kann ich zusammenfassend leider nur folgendes Resumee ziehen: nicht brauchbar (in Bezug auf frei verfügbare, selbst installierbare Lösungen, nicht für kommerzielle kostenfreie oder kostenpflichtige Dienste).
Webinterface/Groupwares
Funambol bringt in der Community-Edition leider nur ein äußerst rudimentäres Web-Interface mit, welches für den produktiven Einsatz weder geeignet noch gedacht ist. Da liegt es nahe, sich einer Groupware zu bedienen, die SyncML unterstützt, und welche Email+PIM-Funktionalität im Browser bereitzustellen vermag.
Meine letzten Groupware-Gehversuche mit den Oldies twig und twiggi liegen eine Weile zurück. Auch meine Experimente mit der Horde Groupware sind etwas her und nicht in allzu guter Erinnerung. Von den zur Zeit wohl nennenswerten Produkten Kolab, Citadel, OpenGroupware, phpGroupWare, eGroupWare, PHProjekt, OBM und Simple Groupware habe ich spontan einmal letzteres ausprobiert, weil es am eindrücklichsten mit explizitem SyncML-Support für Funambol geworben hat. Leider tut sich auf meinem Server nach Abspulen der eigentlich idiotensicheren Installationsanleitung gar nix in Bezug auf Synchronisation.
So, und nu...?
Nachdem ich nun mindestens 30 Stunden in Synchronisations-Experimente und Groupware-Recherche investiert habe, und ich gerade bei den Groupwares nochmal viele viele Abende mit Rumprobieren verbraten könnte (alleine mit der Suche nach einer Groupware, welche auch für Einzelanwender tauglich ist, d.h. ohne übermässig aufdringliche Projektplaner und Gruppenmodule, könnte man Tage verbringen), breche ich an dieser Stelle meine Versuche mal ab ...
Ich finde es schon etwas frustrierend, wie wenig nach 5 Jahren Entwicklung im Opensource-Groupware- und -Sync-Bereich tatsächlich funktioniert. Allerdings ist das schon ein komplexes Thema, und es ist irgendwo verständlich, daß die bis jetzt verfügbaren Produkte noch nicht frei für jedermann zur Verfügung stehen. Viele haben allerdings kein Problem damit, Mails, PIM (oder bookmarks) bei irgendwelchen Anbietern zu deponieren - die werden meinen Kummer nicht teilen. Vom Rest erhoffe ich mir nun etwas Feedback aus der Blogosphäre. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich der einzige bin, der die Kombination Linux+SyncML+Groupware(+iPhone) auf einem eigenen Server fahren will.
Desweiteren habe ich den einen oder anderen, den das Thema interessiert, und der diesen Artikel verdaut hat, hoffentlich vorgewarnt, in welches Minenfeld er sich begibt: plug and play ist das nicht ...
PS: Noch drei Links Nachschlag