Montag, 10. Dezember 2007
Alles Banane. Heute: VoIP und WLAN-WDS
Telefonieren und Faxen sind ausgereifte Technologien. Wenn man es über das POTS abwickelt. Versucht man aber, aus Kostengründen alles über das vor einigen Jahren so gehypte und inzwischen recht etablierte und vermeintlich ausgereifte Voice-over-IP-Technologien abzuwickeln, fangen die Schmerzen an.
Seit über 2 Jahren habe ich keinen Festnetzanschluss mehr. Als junger, zeitlich wie örtlich flexibler Arbeitnehmer benötigt man heutzutage schliesslich keinen solchen Anschluss mehr. Entweder ist man im Büro, oder man schläft unterm Schreibtisch, oder man ist unterwegs auf dem Handy erreichbar. Dank BASE und der rein theoretisch großartigen Doppelflatrate (Festnetz/Netzintern+UMTS-Daten) war mein gesamter Telekommunikationsbedarf mit dieser einen Lösung befriedigend erschlagen.
Nun habe ich wieder ein Leben, eine Wohnung, und zusätzlich das Problem, daß BASE-UMTS hier nicht besonders schnell und zudem unzuverlässig funktioniert. Ergo wurde folgender Plan gefasst: statt 50 Euro für die BASE-Doppelflat nun 25 Euro mtl. für Alice-DSL daheim, plus Simyo für mobiles Telefonieren und opera-mobile/oe-navi/finpocket. Mit geeigneten Voice-over-IP-Tarifen und etwas Zurückhaltung bei der Mobilfunknutzung sollte ich da unterm Strich sogar billiger fahren als mit den 50 EUR monatlich zuvor. Soweit die Theorie. Nun zur Umsetzung.
Ausgangslage
Neben der kleinstmöglichen, denkbaren Lösung eines heimischen Telefonanschlusses habe ich nur zwei gar nicht mal so besondere Anforderungen:- Ich möchte Faxe senden und empfangen können
- Der Telefonanschluss ist in einem anderen Zimmer (Flur) als das Büro mit den PCs - und ich kann da kein Kabel legen.
Das Fax-Problem
Auch nach dieser grenzenlos dämlichen Entscheidung der BNetzA (fka RegTP), nicht ortsgebundene Vorwahlen zu verbieten bzw. in eine eigene 032-Gasse zu stecken (und wie beim 0700-Desaster zu "vergessen", Interconnects gleich den übrigen Festnetzentgelten vorzuschreiben - was für korrupte Stulpen arbeiten da eigentlich?!) ist es doch weiterhin möglich, preiswert bis kostenlos Faxe per email zu empfangen. Bei Arcors PIA geht das über die 032-Rufnummer, bei DirectBox und vielen anderen per 0180-Nummer - web.de Freemail hält an seiner eigenen Gasse fest. Wenn man ein bisschen sucht, findet man sogar noch kostenlos Faxempfang unter einer regulären Festnetzrufnummer. Problematischer ist der Versand. Im täglichen Kontakt mit Unternehmen aller Art (Telekommunikation, Versicherungen, Strom, etc.) ist das Fax meiner Meinung nach weiterhin das Mittel der Wahl. Briefe kosten deutlich mehr und dauern länger, emails werden bestenfalls mit vielen Tagen Verzögerung bearbeitet oder aber werden viel zu oft komplett ignoriert, und telefonische Hotlines sind in Zeiten von geoutsourcten Callcentern und Premium-Rufnummern ein einziges Ärgernis.
Kostenfrei gibt es in der Regel nur die Möglichkeit, in einem Webformular einfachen Text zu versenden. PDF-Versand oder gar Drucken aus der Applikation, welche über einen speziellen Drucker dann beim Empfänger im Fax landet, kostet Geld. Das ist ok, wenn der Preis denn stimmt. Bei simple-fax.de gibt es seit kurzem die Möglichkeit, kostenlos PDFs zu faxen. Das funktioniert auch recht zuverlässig, aber natürlich nur zu deutschen Festnetzrufnummern. Wenn ich ein Faxgerät direkt an einen der beiden analogen Ports meiner W700V anklemmen möchte, ist der Ärger vorprogrammiert - soviel ist mir nach einiger Lektüre der deutschen VoIP-Anlaufstelle schlechthin, ip-phone-forum.de, sicher. Praktisch alle Codecs die bei VoIP-Telefonie so eingesetzt werden, zerstören Faxe nach dem klassischen T.30-Protokoll. Man muss genau einen bestimmten fixieren, und auch dieser eine Codec garantiert anbieterabhängig noch keine korrekten Übertragungen. Nun haben sich ein paar clevere Leute T.37 ausgedacht, wo Faxgeräte sich die Daten zumailen, einfach per SMTP. Und T.38, FoIP, also Fax-over-IP. Sofern der VoIP-Anbieter das unterstützt, was selten genug ist, eine tolle Möglichkeit. Gegenstellen gibt es natürlich auch nicht mehr als bei den G3/ISDN-Faxen - also keine. Das alles bedeutet für mich im Klartext: Fax an einem Voice-Over-IP ist nicht (bzw. nur mit Klimmzügen und dann ohne Garantien). Ich tendiere stark dazu, einfach den sipgate-plus-Anschluss zu bestellen, wo u.a. Faxempfang und -versand scheinbar sauber gelöst mit drin ist. Bis dahin behelfe ich mir mit dem Faxempfang von sparruf und dem Versand von simple-fax.de sowie direktbrief.de. Letzterer wirft eine günstige Fax-Funktion nebenher ab, der Briefversand ist auch toll und einen eigenen Blog-Artikel wert.
WLAN-Fonie - Schrott
Das nächste VoIP-Ärgernis: VoIP-Telefonie per WLAN. Im klassischen Festnetzbereich haben sich DECT-Handsets an eben solchen Basisstationen durchgesetzt. Auch wenn die alten analogen CTX(?)-Geräte strahlungsarmer waren, was GSM für Mobiltelefone ist DECT für Festnetztelefonie. Da liegt es eigentlich nahe, WLAN-fähige VoIP-Handsets zu betreiben. Doch die Recherche quer durchs Netz, allen voran die Erfahrungsberichte im ip-phone-forum bringen Ernüchterung: alles Müll, um es kurz zu machen. Die wenigen verfügbaren Geräte sind deutlich teurer und gleichzeitig viel schlechter als ihre DECT-Pedants. Was bedeutet, daß man sich eine VoIP-fähige DECT-Anlage anschaffen müsste. Warum dieser Medienbruch? Für mich bedeutet das: ich werde ein billiges DECT-Telefon an den analogen Port meiner W700V anhängen und fertig.
WLAN-WDS - paarweise Schrott
Ich stelle mir das eigentlich nicht weiter schwierig vor. Im Flur steht der W700V WLAN-DSL-VoIP-Router, und im Büro bridged mir mein alter Access-Point die Verbindung zum Router, da ich kein Kabel kreuz und quer durch die Wohnung legen kann. Stunden der vergeblichen Experimente und des Nachlesens in Foren bringen mir die traurige Gewissheit: obwohl es seit Jahren WLAN gibt und jeder Notebook neben der Gemüsetheke des Lebensmitteldiscounters drahtloses Netz an Bord hat, gibt es bis heute keinen einheitlichen Standard für WDS. Ob repeater, bridge, client mode ... - herstellerübergreifend ist die Chance auf einen 6er im Lotto höher, als daß zwei Access-Points miteinander kommunizieren, und innerhalb eines Herstellers sinken die Chancen rapide, sobald Verschlüsselung ins Spiel kommt. WEP ist keine Option, wo sogar die einschlägigen PC-Magazine am Bahnhofskiosk mit "Geheimtips" zum Knacken von WEP in 5 Minuten werben. Bei WPA2-verschlüsselten Bridges bin ich sehr skeptisch. Zu zahlreich sind die Berichte von Verbindungsproblemen, mangelhaftem Datendurchsatz und Fehlinformationen seitens der Hersteller. So empfiehlt die Telekom-Hotline ihren Speedport W100RX als WPA-fähigen Repeater für ihre Speedport-Router, doch liest man in den Foren daß es wie üblich maximal mit WEP funktioniert.
VoIP - verunsichert
Was also tun? Einen zweiten Linksys WAP54G dazukaufen, und hoffen, daß er eine WPA2-verschlüsselte Brücke zu meinem alten Gerät hinbekommt? Ich habe Geräte-Revision 2 mit Firmware 2.08, die aktuellen Geräte sind hardware revision 3 mit Firmware 3.04, das wird die Chancen einer erfolgreichen Operation nicht gerade steigern. Alternativ-Firmwares sind für die WAP, anders als für die inzwischen zahllosen WRT54G, rar und schwierig zu installieren - zumindest die DD-WRT, die man eigentlich boykottieren sollte, und deren micro-edition auf dem WAP54G arbeiten könnte, allerdings ohne daß ich glaube daß er sich an den Speedport W700V koppeln könnte. Alternativ den WAP54G durch einen zweiten Speedport W700V ersetzen und hoffen, daß die beiden Geräte im Team meinen Wunsch erfüllen? Oder zwei Fritzboxen, wo es Berichte gibt, daß WPA-verschlüsseltes WDS funktioniert?
Verdammt, was ist das alles für ein Müll den die da einem verkaufen wollen. WLAN, Voice-over-IP, ... ist doch alles Schrott!
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