Mittwoch, 7. Juni 2006
Kranke Welt ...
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Nicht böse gemeint
Diese ganze Chaos-Computer-Front und Konsorten haben schon einen seeehr beschränkten Blickwinkel. DSDS ist das Totschlagargument, und über die Frage, warum mit Klingeltönen mehr Geld verdient werden könne als mit Musik, kann ich mich nur aufregen. Weil die Dinger nicht kopiert werden?!? Und seit wann ist die vermaledeite Klingeltonplage ein vorbildliches Geschäftsmodell?
"Die Musikindustrie dort treffen, wo sie am verwundbarsten ist. Entziehen wir ihr den Umsatz!" Oh mein Gott, was sind das für Argumente? Schon mal überlegt, wer die ganze tolle Musik macht, die Ihr Euch den ganzen Tag anhört? Der Chef von EMI? Ich würde sagen, kauft Euch die CDs von den Bands, die Ihr gut findet! Ihr Fritten! Es zwingt Euch sicher keiner den Bohlen-Ausfluß zu kaufen. Echt, es gehört schon eine gesunde Unverfrorenheit dazu, das massenhafte Saugen aus dem Netz noch als ritterliche Heldentat gegen den bösen Moloch der Musikindustrie anzupreisen.
"Wie Studien ergaben, kaufen sich diejenigen CDs, die auch ein Einkommen haben, sprich die Gruppe der ab 40jährigen." Ach. Ich hab auch noch eine: Wie Studien ergaben, klauen im Laden vor allem Jugendliche. Erwachsene tendieren dazu, ihren Einkauf zu bezahlen.
Soooo. Wieder abreg. Chrrrrgrhh.
Nachtrag: Selbstverständlich bin ich auch der Meinung, daß die Musikindustrie komplett falsch reagiert auf die miserable Marktlage mit ihrer Fernsehpop-Monokultur. Außerdem müssen einfach neue Konzepte her, weil die Verfügbarkeit von Musik sich einfach geändert hat: Heute hören die Leute eine viel größere Anzahl Musikstücke, einfach weil man drankommt. Das sind mittlerweile neue Hörgewohnheiten, und dem hat man Rechnung zu tragen; die 1-zu-1-Rechnerei der Plattenfirmen ist eine riesige Milchmädchenrechnung (niemals hätte man soviele CDs verkauft, wie mp3 verteilt worden sind).
Aber die Situation ist etwas komplexer, darauf wollte ich nur hinaus.
Viele Grüße,
Lorenz
QUOTE:
Du hast aber schon gelesen, daß die allofmp3-Betreiber keine Abgaben entrichten?
Allofmp3.com entrichtet sehr wohl Abgaben, u.a. auf ihrer Webseite kann man unter Help, Top Questions #1 folgendes nachlesen:
QUOTE:
Is it legal to download music from AllOFMP3.com?
The availability over the Internet of the ALLOFMP3.com materials is authorized by the license # LS-3М-05-03 of the Russian Multimedia and Internet Society (ROMS) and license # 006/3M-05 of the Rightholders Federation for Collective Copyright Management of Works Used Interactively (FAIR). In accordance to the licenses' terms MediaServices pays license fees for all materials downloaded from the site subject to the Law of the Russian Federation "On Copyright and Related Rights".
The availability over the Internet of the ALLOFMP3.com materials is authorized by the license # LS-3М-05-03 of the Russian Multimedia and Internet Society (ROMS) and license # 006/3M-05 of the Rightholders Federation for Collective Copyright Management of Works Used Interactively (FAIR). In accordance to the licenses' terms MediaServices pays license fees for all materials downloaded from the site subject to the Law of the Russian Federation "On Copyright and Related Rights".
Wenn amerikanische oder deutsche Phono-Verbände das jetzt blöd finden .. Pech: Globalisierung ist keine Einbahnstraße
QUOTE:
Ich würde sagen, kauft Euch die CDs von den Bands, die Ihr gut findet!
Nö - damit finanziert man doch auch wieder nur einen riesigen Overhead. Bei einer CD kommen von 17 Euro maximal 2 Euro bei den Künstlern an. Warum nicht folgendes Modell: eine Band legt ihre MP3s auf ihrer Webseite ab, dazu einen Spende-Button. Oder einen kleinen Webshop. low-quality für lau, high-quality für Euro. Eventuell noch Fanartikel dazu. Jedenfalls Direktvertrieb, ohne einen Riesenapparat der 90% der Einnahmen schluckt... man suche nur mal nach "NetAudio" - da tut sich schon einiges ...
QUOTE:
Echt, es gehört schon eine gesunde Unverfrorenheit dazu, das massenhafte Saugen aus dem Netz noch als ritterliche Heldentat gegen den bösen Moloch der Musikindustrie anzupreisen.
Wenn es nicht nur Sammeltrieb sondern auch Konsum ist, dann ist es eindeutig Doppelmoral.Ich finde es im Übrigen deutlich unverschämter die ehrlichen Kunden zu kriminalisieren, mit DRM und rootkits zu gängeln, einen Rekordgewinn nach dem anderen einzufahren und die Künstler in der Masse mit Peanuts abzuspeisen.
Für mich ist die Sache ganz einfach: mit dem Internet-Zeitalter ist die Geschäftsgrundlage der gesamten "Content-Industrie" völlig überholt. Die Dienstleistung der Erzeugung und des Vertriebs und des Marketings von "Kunst" ist auf jeden Fall nicht die Milliarden wert, an die man sich gewöhnt hat und die man natürlich nicht aufgeben will.
Evolution lässt sich nicht aufhalten.
Nee, das geht nicht klar. Wenn sie die Rechte nicht besitzen, dann bedeutet das doch auch genau das, was ich gesagt habe: Bei den Künstlern kommt nix an. Und daß allofmp3 seine Dienste auch auch Englisch anbietet, obwohl man ja angeblich nicht für den außerrussischen Markt wirbt, riecht einfach fischig.
Stichwort Direktvertrieb: Das kann ich leider langsam nicht mehr hören... Es gibt einfach Sachen, die eine Plattenfirma besser kann als man selber. Promo, Kontakt zur Szene, Weiterlizensierungen für Kompilations... da kann sich doch nicht neuerdings jeder Musiker selber drum kümmern! Aber ständig kriegt man das vorgeschlagen: "Bewirb doch Deine Musik selber, biete sie da und da zum Download an, lalala, ..." - ein Musiker möchte Musik machen (und kann vielleicht auch sonst gar nix, was sein gutes Recht ist).
Das ist ein bißchen so, als würde man jeden, der irgendwo angestellt ist, anpflaumen, wieso er nicht ein hyperinnovatives Startup gründet und sich selbständig macht. Weil es nicht für jeden das beste ist?
Klar gibt es den tollen DJ aus Soho, von dem jeder gehört hat, der am Fließband fette Tracks baut und ganze alleine eine Riesencommunity hochgezogen hat und dessen Sachen von demunddem gespielt werden und der auf Myspace 200.000 Hits am Tag hat und bei dem man die Songs auch als ogg-Vorbis bekommt und der einen selbstgeschriebenen Sequencer für Linux benutzt und alles.
Ich für meinen Fall sehe mich jedenfalls außerstande, in Zukunft mein eigener Vollzeit-Hypegenerator zu werden. Einen Onlinestore kann ich auch nicht programmieren, und außerdem würde vermutlich niiie einer was von meiner Musik erfahren (es sei denn, ich treibe mich 24 Stunden am Tag verzweifelt in irgendwelchen Foren rum und versuche auf mich aufmerksam zu machen. Tut mir leid - nix für mich, und für viele andere auch nicht).
"Die Dienstleistung der Erzeugung und des Vertriebs und des Marketings von "Kunst" (...)"
Das ist natürlich schon auch eine ziemlich traurige Definition vom Musik machen... Dienstleistung... aber so scheinen es heute so ziemlich alle zu sehen.
Naja, ich muß zurück ins Studio, Dienst leisten. Hab heute noch eine Mischung fertigzukriegen.









