
Gestern abend habe ich mit
Evi die letzten Minuten der aktuellen DSDS-Staffel im Fernsehen mitverfolgt. Wir lagen mit unserem Tip richtig, als die junge, jetzt schon zur "Rockröhre" erkorene Teilnehmerin am Ende die Nase vorne hatte. Wenn ich an "Rockröhre" denke, dann denke ich an eine
Melissa Etheridge mit
like the way I do und nicht an ein häßliches bayrisches Mädel, welches Dieters Fließband-Pop trällert.
Wie schön, daß auch der
Spiegel Online kritisch berichtet und in den letzten beiden Absätzen bemerkt, daß die Moderatoren (weia, was gehen mir die
Hunziker und der
Spengemann inzwischen doch auf den Keks!) primär durch penetrantes "Anrufen, anrufen, anrufen"-Gebettel auffielen, und daß der Bohlen-Finalsong auch schon als Klingelton zu haben ist. Manchmal kann man wirklich nicht so viel fressen wie man kotzen möchte.
Schon letzte Woche wurde mir ganz schön schlecht, als ich beim abendlichen, unmotivierten Zapping unglücklicherweise bei Pro7 und deren
Comeback-Show hängengeblieben war. Da trifft sich ein gruseliges Sammelsurium abgehalfterter 80er-Stars und Eintagsfliegen, um nochmal zu gucken "was geht". Waaah! Die sind nicht ohne Grund weg vom Fenster!
Und wieder nervt die Moderatorin, diesmal Diva
Arabella Kiesbauer, äußerst penetrant durch die Aufforderung, telefonisch abzustimmen (pro Anruf wie immer
nur 49 cent). Die Galle steht dann endgültig auf Ohrenhöhe, als diese Zombies-united da auch noch eine peinliche Pop-Nummer aufs Parkett legen, während man informiert wird, daß die Single glücklicherweise schon ab Montag im Handel sei - noch ein bißchen mehr Zorn und Ekel, und der unschuldige Ausschalter meines Fernsehers wäre jetzt nur noch Staub und Asche.
Bei
Stefan Raabs SSDSGPS, was am Anfang wohl mehr aus Jux geboren wurde und dann doch erstaunlich professionell und vor allem vergleichsweise hochwertig endete - dank der Teilnehmer, die einerseits schon länger aus der Schule raus sind, und zum anderen noch nicht in einer kurzen Karriere verbrannt wurden) - wurde auch nicht alle 2 Minuten zum Anruf aufgefordert. Naja, spätestens wenn der Grand Prix läuft und die dieses Mal bekannteren Namen tageintagaus durch die Medien gehen wird der Kommerz auch sie alle endgültig und schonungslos eingeholt haben.
Es ist sonnenklar, daß die abgrundtiefböse
Musikindustrie um ihre Einnahmen ringt, da jedes Kind heute CDs kopieren und dank wohlfrequentierter
P2P-Börsen sehr bequem und vor allem unendlich billig an alte wie neue Hits kommen kann. Da helfen keine
UnCDs (verbraucherfeindliche Abspielschutzmechanismen), keine
juristischen Großangriffe, keine
übereifrige Kriminalisierung der Endverbraucher und auch kein verspäteter Sprung auf den
Online-Distributionskanal.
Jetzt bläst auch noch das mächtige Medium Fernsehen mit nicht-endenden Castingshows zum Großangriff auf den fetten Kuchen der etablierten
Labels und die ohnehin schon arg gebeutelten Geldbörsen der Verbraucher. Was jetzt nur noch fehlt ist die gesetzliche Pflicht zum selbstredend kostenpflichtigen Konsum des Mainstream-Gedudels. Mit Kunst und Kultur hat das alles ja schon lange nichts mehr zu tun.
Was also tun?
back to the roots?
Erstens: Radio aus. 95% der UKW-Radiosender unterwerfen sich den finanziellen Zwängen und reihen sich ein in die Liste derer, die
heavy rotation praktizieren.
Zweitens: Glotze aus. Außer der
Tagesschau, den
Simpsons und einigen wenigen Serien kann man dort sowieso nichts mehr ertragen (es sei denn man steht auf Soaps und "Infomercials" aller Art) - das Medium ist dank Breitband-Internetanschluß und so schönen Applikationen wie
bittorrent ohnehin weitgehend überflüssig.
Drittens: Augen und Ohren auf für Musik und Kunst abseits dessen, was die großen Medienkonzerne einem aufbürden. Im großen Netz tummeln sich unzählige Künstler unterschiedlichster Genres, die so unglaublich mehr
screentime verdient hätten wie ein
Klaws, Kübelböck und wie sie alle heissen.
Ein paar hilfreiche Links für den Start ins neue Medienkonsum-Leben, ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit:
Nachrichten
Musik
P2P