
Ich bin ja neugierig was passiert, wenn man einen Holländer quer durch Korea schleift. Übelkeit? Spastische Anfälle? Herzinfarkt?
Auf den 4 Stunden Busfahrt vom Flughafen Seoul zur Heimat der Mutter, 대구 (Taegu), geht es in Ballungsgebieten an für Kontinental-Europäer nicht vorstellbaren, gewaltigen Wohnblöcken vorbei, während der Rest des Landes aus bewaldeten Bergen, idyllischen Tälern und zahllosen Reisfeldern - auch in Terrassen an Hängen - zu bestehen scheint. Kein Flachland weit und breit. Kein Wunder, daß die Eisenbahn hier keine Bedeutung hat und alles mit Bussen und LKWs abgefackelt wird.
Ich freue mich, den elterlichen Rat beherzigt und den Herbst für den Urlaub gewählt zu haben. Die 22 Grad auf dem Thermometer fühlen sich unter brennender Sonne und in luftbewegungsarmen Ecken eher nach schwülen 32 Grad an, da will ich nicht den wirklich drückenden Sommer erleben.
Die bunten Wälder und die bald erntereifen gelben? grünen? Reisfelder machen die Fahrt zu einer Tour durch ein Bilderbuch. Erinnert mich etwas an die schönsten Flecken der Eifel, nur daß dort die Reisfelder fehlen, und daß es hier Hunderte Kilometer mit dieser Landschaft sind.
Ich sehe leider keine Landstraßen, nur die Autobahn. Schade, sonst wäre es wohl ein Paradies für kurvenkratzende Biker - wenn man lebensmüde ist: ich hielt den italienischen Straßenverkehr Genuas ja schon für mörderisch, aber die Koreaner legen da definitiv nochmal ne Schippe Wahnsinn drauf. Bei dieser beängstigenden Mischung aus Agressivität und mangelnden Fahrzeugkontrolle vergeht mir schon am ersten Tag die Lust auf ein Mietfahrzeug. Hier fährt man nicht kooperativ sondern kompetitiv, und Fußgänger abseits von mit Ampeln beschalteten Überwegen sind Freiwild.
Übrigens ist hier wie bei meinem letzten Besuch vor 15 Jahren nur eines von 100 Fahrzeugen ein ausländisches Fabrikat - die Straßen hier sind voll und überfüllt mit Hyundai, Daewoo, Kia, und viele Fahrzeugführer tragen immer noch etwas martialisch wirkende weisse Handschuhe.
Nicht wie vor 15 Jahren sind die Getränke in den Regalen. Die immer noch erschlagende Auswahl präsentiert sich nicht mehr in (Müll-)Bergen kleiner Dosen sonder nun in kleinen Glasfaschen - es lebe der Fortschritt

Ich bin gespannt - und optimistisch

- ob die grossen Kaufhäuser inwischen auch ihre Plumpsklos abgeschafft haben.
Nachtrag: nach dem abendlichen Spaziergang hier am 금호강 und dem 36h-Tag bin ich jetzt auch mal so richtig platt und reif für die Falle.